DAN-Shakai-Treffen im DOJO SW-Oldenburg

DAN-Shakai-Treffen im DOJO SW-Oldenburg

Ulrich Heinemann

Trainingstreffen

Im Karate bezeichnet ein DAN-Shakai-Treffen ein spezielles Trainingstreffen für DAN-Träger – also Karateka mit schwarzem Gürtel – bei dem gemeinsames Üben, Austausch und Weiterbildung im Vordergrund stehen.

Bedeutung und Zweck des DAN-Shakai

Zusammenkunft erfahrener Karateka: Das DAN-Shakai ist ein Event, bei dem sich Karateka mit Dan-Graden (ab 1. Dan aufwärts) aus verschiedenen Dojos treffen, um gemeinsam zu trainieren und sich auszutauschen.

Technik und Philosophie

Neben dem technischen Training steht oft auch die Vertiefung der Karate-Philosophie, Etikette und geistigen Entwicklung im Fokus.

Impulsgeber für Trainer und Prüflinge

Auch fortgeschrittene Schüler (z. B. Braungurte kurz vor der Dan-Prüfung) sind häufig eingeladen, um neue Impulse zu erhalten und sich auf ihre Prüfung vorzubereiten.

Förderung des Netzwerks

Es dient der Vernetzung zwischen Dojos und fördert den Gemeinschaftsgeist unter fortgeschrittenen Karateka.

Themenschwerpunkt des heutigen DAN-Shakais war die KATA GANKAKU.

Gemälde von Jin Shan

Gankaku (jap. 岩鶴, dt. Kranich auf dem Felsen) oder älter Chintō (鎮東) ist ein stilisierter Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner. Gelehrt wird sie unter dem Namen Gankaku im Shōtōkan-Stil, während die Stile Shōrin-Ryū, Wadō-Ryū und Shitō-Ryū die ursprüngliche Bezeichnung Chintō beibehalten haben.

Der Name Gankaku, also „Kranich auf dem Felsen“, wurde von Funakoshi Gichin aufgrund des in dieser Kata viermal vorkommenden Tsuru ashi dachi, einer Fußstellung, die einem Kranich ähnelt, der seine Flügel zur Verteidigung schlägt, gewählt.


Gan: Felsen/Cliff

Kaku: Kranich/Storch

Ursprung

Wer diese Kata nach Okinawa brachte lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren, eventuell ein gestrandeter Seemann auf Okinawa. Es ist einfach zu lange her und es gibt keine zuverlässigen Quellen mehr. Einige Informationen findet man bei Roland Habersetzer: Koshiki-Kata auf den Seiten 199/200.

Besonderheiten

Eine Besonderheit dieser Kata ist das Embusen, also das Schrittdiagramm, welches eine senkrechte Linie zeigt. Dies zeigt, dass man die Techniken zuerst nur in eine Richtung ausführt und man am Ende praktisch „wendet“ und man eine Reihe von Techniken hat, die am Anfangspunkt dieser Kata endet. Eine andere Feinheit ist, dass oft zwischen flüssigen und schnellen Bewegungsfolgen zu einer Ruhe verharrenden Haltung gewechselt wird. Außerdem sind die Techniken auf die Vitalpunkte (Jintai kyūsho) des Körpers gerichtet.

Eine weitere Besonderheit ist der tsuru-achi-dachi (tsuru bedeutet Kranich), das Stehen auf einem Bein, das leichte Absenken des Körpers mit nachfolgender Technik. Man stelle sich einen Kranich vor, der im Wasser steht, seine Beute erblickt und sich dann zum Angriff bereit macht.

Eine echte Herausforderung sind auch die Drehungen und das Stehen auf einem Bein, ein gutes Gleichgewicht ist hier unbedingt erforderlich.

Was hatte Roland für uns vorbereitet?

Kurzes effektives Aufwärmtraining, danach Kihon. Es galt, die speziellen Bewegungsmuster der Kata zu üben, sie leicht zu variieren. Danach ging es ans Bunkai, welche Verteidigungs- und Kontermöglichkeiten verbergen sich hinter den einzelnen Techniken. Hier mal ein einfaches(?) Beispiel:

Zeichnung von Albrecht Pflüger

Shizentai

Rechtes Bein zurücksetzen, gleichzeitig Ausholbewegung zu Sokumen-Awase-Uke jodan. Die geöffneten Hände werden zur rechten Hüfte gezogen. Die Handrücken berühren sich.
Rechts zurück in Kokutsu-Dachi mit Sokumen-Awase-Uke. Die Handrücken sind zusammen. Der linke Arm drückt den rechten Arm nach außen.
Die Arme zur rechten Hüfte zurückreißen, dabei die Hände drehen (wie bei Heian-Godan). Der rechte Ellbogen ist an der rechten Hüfte.
Rechtes Bein zurücksetzen, gleichzeitig Ausholbewegung zu Sokumen-Awase-Uke. Die geöffneten Hände werden zur rechten Hüfte gezogen. Die Handrücken berühren sich.

Eine mögliche Interpretation

  • tori greift mit einem tsuki jodan rechts an
  • uke blockt mit rechts den Arm von tori, gleichzeitig ein Gegenangriff zum Gesicht von tori (ten-no-kata lässt grüßen)
  • uke fasst mit der rechten Hand das Handgelenk von tori , dreht es im Uhrzeigersinn, geht zurück in kokutsu-dachi, der linke Unterarm von uke drückt auf den gestreckten Arm von tori, zieht ihn heran und runter.

Kann man eine Kata in zwei 2 Stunden lernen? Den Ablauf vielleicht, die dahinterstehende komplexe Anwendungsvielfalt nicht. Zwei interessante schweißtreibende Stunden, an deren Ende man sich fragte: „War es das schon?“ Leider ja.

Allen Teilnehmern ein erfolgreiches „keiko“!

OSU!
Ulrich