Sonntagstraining Heian Shodan

Sonntagstraining Heian Shodan

Ulrich

Kurzes Aufwärmtraining, dann die Basistechniken der Kata absolvieren. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Details man bei der Ausführung einzelner Techniken beachten muss (und leider auch wieder vergisst), z.B. das saubere Hikite, das Zurückziehen der Faust zur Hüfte, der Ellenbogen eng am Körper vorbei, die Faust folgt und arretiert über der Hüfte, drei kleine wichtige Details.

Dazu noch eine positive Vitalpunktstimulation, beim Age-Uke z. B. den Dickdarm10 „aktivieren“.

Oder im Zenkutsu-Dachi bei korrekter Fußhaltung Magen 41, im Bereich des Glutaeus maximus Blase 36, bei korrekter Fausthaltung Perikard 8. Dazu die korrekte Vorwärtsbewegung über die Hüfte, das Nachvornkatapultieren über das gebeugte Standbein, die korrekte Atmung, viele Details.

Nach der Kihon folgten die Bunkai-Anwendungen. Hier kamen vor allem die „Anfänger“ auf ihre Kosten, die anderen natürlich auch, es gab für jeden Karateka aus Unter- und Mittelstufe einen DAN-Träger als Trainingspartner. Ungewöhnlich aber schön.

Um das Bunkai realistischer zu gestalten, griffen wir auf Teile der Renshuho zurück. Renshuho ist eine spezielle Kata-Form, die von Kyôshi Lothar Ratschke entwickelt wurde. Sie enthält alles wesentlichen Techniken der Heian Shodan, die allerdings nur einmal angewendet werden. Nicht wie in der Shodan, den Age-Uke z. B. drei Mal hintereinander. Um das Bunkai realistischer zu gestalten, gibt es nur einen Verteidiger, der aus 4 verschiedenen Richtungen angegriffen wird.

Für mich ein Basislernziel der Heian Katas: Ändere z. B. deinen Angriffswinkel zum Angreifer, das eröffnet dir mehr Reaktionsmöglichkeiten. Nach der Bunkai ging es zurück zur Kata Heian Shodan, für Unter- und Mittelstufe der normale Ablauf, für die DAN-Träger in der URA-Form. Also der Anfang nicht nach links, sondern nach rechts, die Age-Ukes seitenverkehrt, etc., das ging ja noch. Und dann die Ushiro-Form, die Kata von hinten aufrollen, das sorgte doch für einige Gehirnverknotungen. Ich kann mich ja noch mit meinem Alter rausreden, aber die Jüngeren ts, ts!

Die Heian-Katas sind eine Serie von fünf Grundkatas (Heian Shodan bis Heian Godan), die im Shotokan Karate als Basis für Anfänger und Fortgeschrittene dienen. Sie enthalten fundamentale Techniken wie Stände, Blöcke, Schläge und Tritte, die in einer festgelegten Abfolge ausgeführt werden. Von Kata zu Kata steigt die Schwierigkeit bez. steigen die Anforderungen an den Ausübenden.

Heute sollte es um praktische Anwendungen der HEIAN SHODAN gehen, deshalb dazu ein paar Anmerkungen.

Sie ist die erste Kata, die in den meisten Dojos gelehrt wird. Heian Shodan ermöglicht im Wesentlichen den Kampf auf eine mittlere bis lange Distanz (Zenkutsu-Dachi und zum Schluss Kokutsu-Dachi). Da sie noch keine allzu „schwierigen“ Techniken enthält, dient sie vor allem dem Erlernen des Grundprinzips vom „Kämpfen“ gegen mehrere Gegner, die aus verschiedenen Positionen angreifen und der Verbindung der bislang gelernten Grundtechniken mit korrektem Hüfteinsatz und Drehungen in verschiedene Richtungen. Sie schult die Abwehrtechniken Gedan-Barai, Jodan Age-Uke und Shuto-Uke. Chudan Oi-Zuki und Tetsui-Uchi werden als Angriffstechniken verwendet. Alle Techniken werden in den Stellungen Zenkutsu-Dachi und Kokutsu-Dachi ausgeführt.

Hier mal eine Frage an die Unter- und Mittelstufe:
Warum ist ein exaktes KIHON so wichtig? Oder ist Kata nicht wichtiger? Oder Bunkai?

Anforderungen/Schwierigkeiten

  • Haltung/Bewahrung/Vorwärtsbewegung des Körperschwerpunktes
  • Distanzen überbrücken und einschätzen
  • Geradeaus-Techniken im Zenkutsu Dachi
  • Körperschwerpunkt nach hinten verlagern im Kokutsu Dachi (hier noch nicht so „wichtig“)
  • Distanz verändern/anpassen
  • Richtungswechsel bewältigen, Gleichgewicht kontrollieren, Körperschwerpunkt korrekt ändern, Atmung einsetzen (Kiai).
  • Angriffe/Abwehrtechniken auf drei verschiedenen Ebenen
  • Kontrollierter Wechsel zwischen Entspannung und Anspannung

Alles in allem ein gelungener Vormittag, mir hat es gefallen und den anderen Teilnehmern auch. Bis zum nächsten Lehrgang! Bleibt gesund und weiterhin ein erfolgreiches KEIKO!

Ulrich