Lehrgang mit Kyôshi Lothar Ratschke und Sensei Roland Ahlers

Lehrgang mit Kyôshi Lothar Ratschke und Sensei Roland Ahlers

Ulrich Heinemann

Einmal im Jahr ist Kyôshi Lothar Ratschke bei uns zu Gast. Das letzte Mal im September 2025, jetzt also wieder im September 2026. So ein Lehrgang beinhaltet einen strengen Ablaufplan, damit möglichst viele Teilnehmer mit neuem Wissen und Erfahrungen wieder nach Hause fahren können, und auch noch Zeit bleibt für die Prüfungen nach dem Lehrgang.

Ablaufplan – Samstag, 05.09.2026

Gruppe1. Einheit2. Einheit
9. bis 6. Kyu10:00 – 11:1513:30 – 14:45
5. Kyu bis DAN11:30 – 12:4515:00 – 16:15
  • Kyu-Prüfungen: 9.–1. Kyu Shotokan, SOK u. Kyusho Jitsu
  • Dan-Prüfungen: 1.–5. Dan SOK, ab 18:00

Wie immer traf man auf viele bekannte alte Gesichter und auch einige neue, so dass sich in den Pausen eine Gelegenheit bot, sich auszutauschen. Dazu hatten fleißige Hände dank vieler Spenden ein schönes Büfett aufgebaut. Dank an alle Helferinnen und Helfer, hier (auch) an Susanne, die für Lily eingesprungen war, die hatte heute nämlich einen entscheidenden Schritt vor sich.

Kyu-Grade: Heian Shodan und RenShuHo

Lothar hatte für die KYU-Grade die Heian Shodan vorgesehen. Er legte großen Wert auf korrekte Wendungen, die Biomechanik bestimmter Abläufe, wie mache ich etwas und worauf muss ich achten. So z. B. bei der Ausholbewegung des Gedan-Barai, die erste Abwehrbewegung, die man als Anfänger lernt: Der rechte Arm „ruht“ schräg über der Brust und schützt Kopf und Herz, die linke schützt den Bauchbereich. Man sollte den Gedan-Barai auf keinen Fall unterschätzen, er ist eine Art „Multifunktionstechnik“ für Abwehr und Angriff. Und noch ein „simpler“ Hinweis: Kein Schritt ohne Tritt. Wer dabei war, weiß, was ich meine. Allen anderen empfehle ich den Besuch eines solchen Lehrgangs. Manche Techniken sind einfach nur ein bisschen „versteckt“ in den Bewegungen.

Roland zeigte uns dann im 2. Teil die RenShuHo-Form, für viele anscheinend der erste Kontakt mit dieser Art. In unserer Gruppe zwei kleine Mädchen, orange und gelb, 9/10 Jahre, ich war überrascht, mit welchem Einsatz sie versuchten, diese Form zu meistern.

Lehrgangsteilnehmer stehen und sitzen am Mattenrand, in der Mitte wird eine Technik demonstriert

Oberstufe: Bassai-Dai, Jion und Nijushiho

Für die höheren Graduierungen standen 3 Katas auf dem Programm, Bassai-Dai, Jion und Nijushiho. Hier ein kleines Detail aus der Bassai-Dai, die Bilder sind von Pflüger, einem der Pioniere des Karate in Deutschland. Hier Bewegungen 40 bis 42, das Umsetzen vom Kokutsu rechts in den Kokutsu links. Das ist keine schlichte Gewichtsverlagerung, sondern der rechte Fuß ertastet sich vorsichtig einen sicheren Standplatz, die Situation hier im Kampf ist nicht eindeutig, schlechte Sicht, Dunkelheit, da trete ich nicht irgendwohin.

Zeichnung der Bassai-Dai, Bewegungen 40 bis 42

Bassai-Dai, Bewegungen 40 bis 42 Zeichnung: Albrecht Pflüger

Jede Kata hat ihre Eigenheiten, Bassai-Dai eine Burg erstürmen, das muss sich in den Bewegungen widerspiegeln.
Jion mit einem ähnlichen Charakter. Die Kata zeichnet sich durch ruhige kraftvolle Bewegungen aus. Die Jion ist eine der längeren Katas im Shotokan-Repertoire.
Schwierigkeiten sind hier die Drehungen bzw. die Richtungswechsel. Sie greift die Bewegungen der Heian-Katas wieder auf und auch der Tekki-Katas, typisch für letztere der Kiba-Dachi. Er verleiht den seitlichen Techniken die nötige Stabilität. Zenkutsu-Dachi zählt auch zu den stark vorwärtsdrängenden Ständen.
Angriffs- und Blocktechniken finden wir in dieser Kata auf unterschiedlichen Höhen: Gedan, Chudan und Jodan. Sie enthält sowohl langsame als auch schnelle Bewegungen. Sie betont Abwehrtechniken und legt besonderen Wert auf die Koordination zwischen Hüft- und Extremitätenbewegung. Schwerpunktmäßige Anwendung als Angriff ist hier die geschlossene Faust, eine Anknüpfung an Okinawa.

Nijushiho ist wiederum ganz anders, die Kata der 24 Schritte. Hier ist es der Wechsel zwischen schnellen und langsamen Phasen. So folgen die ersten 3 Techniken auf harmonische Weise ohne Unterbrechung aufeinander. Die Verbindung dieser drei Techniken ist die Vorstellung einer Welle und der Brandung, man blockt die erste Technik langsam im Einklang mit der Geschwindigkeit des Angreifers, dann ein harter Gegenangriff, die nächste Technik wieder langsam, Energie aufnehmen, Energie abgeben, Energie erneuern.

Zeichnung der Nijushiho, Anfangsbewegungen mit Pressblock

Nijushiho, Anfangsbewegungen mit Pressblock Zeichnung: Albrecht Pflüger

Zeichnung der Nijushiho mit Gyaku-Zuki und Empi-Uchi

Nijushiho mit Gyaku-Zuki und Empi-Uchi Zeichnung: Albrecht Pflüger

So hat jede Kata ihre „Eigenheiten“, die es zu entschlüsseln gilt.

Ich war nach den 4 Einheiten ziemlich ausgelaugt, liegt wohl an meinem Alter, was soll’s, da muss man durch.

DAN-Prüfungen

Den Abschluss des heutigen Tages bildeten die DAN-Prüfungen, hier ein Bild der Prüflinge mit den beiden Prüfern, von links nach rechts: Sensei Roland, Andreas zum 3. Dan, Mathias zum 1. Dan, Kerstin und Lily aus unserem Verein zum 1. DAN, Frauke aus dem Metjendorfer Verein zum 4. DAN und ganz rechts Kyôshi Lothar Ratschke. Allen „Neuen“ unsere herzlichen Glückwünsche.

Die Prüflinge mit ihren Urkunden zwischen den Prüfern Sensei Roland Ahlers und Kyôshi Lothar Ratschke

Allen Teilnehmern ein erfolgreiches KEIKO, ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr gesund wieder.

Ulrich